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Tag 31 – Ribadiso -> Santiago de Compostela

Es ist endlich soweit. Heute werde ich mein großes Ziel Santiago de Compostela erreichen. Nach über 4 Wochen harter Wanderungen durch den Norden Spaniens liegt mein Ziel quasi einen Katzensprung entfernt. Dieser “Katzensprung” ist jedoch sehr lange 45km weit entfernt. Dieser letzte Tag wird nochmal alles von mir verlangen. Vor allem da ich in den letzten 2 Tagen nicht gerade kleine Etappen hinter mich gebracht habe. Da ich aber mittlerweile ganz gut geübt im laufen bin kann ich mir das auch zutrauen. Es ist heute euch eine weitaus größere Motivation das Ziel zu erreichen. Danach hab ich es endlich geschafft. Die ganzen Mühen der letzten Wochen finden ihren finalen Abschluss und ich kann erhobenen Hauptes nach zu Hause zurück kehren. Denn das ich das alles wirklich schaffen werde habe ich nun wirklich nich erwartet. Ich dachte ganz ehrlich das ich schlapp machen werde.
Wieso ich trotzdem losgelaufen bin? Naja, ich wollte schauen ob ich über meinen Schatten springen kann und den nötigen Ehrgeiz aufbringen kann um den Weg zu Ende zu bringen. Ich wollte es zumindest mal probieren und außerdem habe ich mal einen Tapetenwechsel gebraucht.

Und so beginnt mein letzter offizieller Tag auf dem Camino. Ich schaffe es heute doch tatsächlich vor dem Sonnenaufgang auf den Beinen zu sein. Da Julia, die Bekanntschaft vom Vorabend, es vorzieht länger zu schlafen, werde ich alleine loslaufen. Bevor es jedoch losgehen kann muss ich die Wäsche die ich gestern Abend noch gewaschen hab von der Leine holen. Das Trocknen hat aber leider so gar nichts gebracht und ich muss mir den Rucksack mit feuchten Klamotten ausstopfen. Das was noch am ehesten trocken geworden ist ziehe ich für den heutigen Tag an. Und los geht’s.

Auch wenn alle davon geschwärmt haben im Sonnenaufgang los zu laufen, ich kann das nicht so ganz Nachvollziehen. Denn morgens läuft man mit dem Sonnenaufgang im Rücken und bekommt so gar nichts davon mit. Wenigstens wird das Wetter heute wieder besser. Die letzten 2-3 Tage war es ja eher bedeckt und herbstlich feucht. Zum Schluss bekomm ich aber noch mein Lieblingswetter – Sonne pur. Ich hatte sowieso richtig viel Glück in diesem Jahr, denn anscheinend ist diese Jahreszeit nicht unbedingt so sehr von der Sonne verwöhnt. Mir soll’s recht sein. Auch wenn es am Anfang noch ein paar Tage gab. Da hätte ich noch was ganz anderes gesagt. Aber das vergessen wir jetzt einfach ganz schnell mal. Heute sind wieder recht viele Menschen unterwegs, aber ich will mir heute beim besten Willen nicht wieder die Laune von den anderen vermiesen lassen. Ich bin ja nicht wegen den anderen da und ich bin auch nicht hier um ständig zu grummeln. Das ganze soll mir doch auch Spaß machen. Also ignorier ich die anderen jetzt einfach mal und schalte meinen Kopf ab. Ich versuche die Landschaft zu genießen und den Tag. Vor allem weil es mein letzter Tag sein soll.

Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und man bekommt beinahe das Gefühl das man landschaftlich und auch geistig den gesamten Camino an diesen einem Tag nochmals durchläuft und somit Revue passieren lässt. Was aber definitiv stört sind die ständigen Straßenüberquerungen. Und zwar nicht weil man muss – nein. Es mag jetzt vielleicht eine kurzsichtige Beobachtung sein, aber mir kommt es so vor das man die Straßenseite ständig überqueren muss um auch an jeden Restaurant vorbei zu kommen welches an der Hauptstraße liegt. Und das ist auch nicht gerade ungefährlich. Denn die Straße ist hochfrequentiert und durch die Unübersichtlichkeit an manchen Stellen flitzen die Autos hier nur so an einem vorbei.

Das alles nimmt jedoch ein Ende als es zum Aufstieg auf den Monte do Gozo kommt. Dieser Berg heißt übersetzt “Berg der Freude”. Das liegt daran da man von hier aus zum erstmal mal die Türme der Kathedrale von Santiago in weiter Ferne erkennen kann. Somit ist das Ziel von diesem Punkt aus in greifbarer Nähe. Nur muss man einen sehr langen weg laufen um auf diesen Berg zu kommen. Zuerst geht es durch ein Waldgebiet steil Bergauf um dann, wenn man denkt man müsste gleich da sein weil man ja schon auf dem Berg ist, 8 km fast Schnur gerade aus zu laufen.

Dieser Mont so Gozo hat mich schier wahnsinnig gemacht weil er einfach nicht kommen wollte. Dabei bin ich an diesem Tag ja schon so weit gelaufen. Aber ich muss auch bedenken das der Berg nur 5 km vor Santiago liegt und ich zum Monte do Gozo also 40 km zu laufen habe. Dieses steile Bergauf und dann das ewige gerade aus strengt einfach nur enorm an. Und mir liegen ja auch noch die beiden letzten Tage in den Beinen. Da ich immer noch ein kleines Akkuproblem hab kommt es natürlich wie es kommen muss – mein Akku versagt. Knapp 5 km vor dem Gozo. Klasse, jetzt kann ich nicht mal ein Beweisfoto machen wenn ich oben angekommen bin. So komm ich zumindest zwangsweise in voller Stille, Ruhe und Gelassenheit an den Monte do Gozo. Zwar bin ich extrem ausgelaugt aber auch mich übernimmt die Freude diesen Punkt erreicht zu haben. Hier oben gibt es auch eine kleine Kapelle die ungefähr so groß ist das 20 Menschen darin platzt finden. Jedoch hat diese Mini-Kirche mitten auf dem Berg einen Stromanschluss und ich kann mir solange ich eine Pause mache ein wenig Strom für mein Handy ausleihen. Dafür hab ich aber auch was ins Spendendöschen getan. Bin ja kein Dieb. Und so komm ich letztendlich doch noch zu meinem Foto auf dem Monte do Gozo.

Ab sofort heißt es: nochmal die Zähne zusammen beißen und die letzten Kilometer nach Santiago. Und ich muss mich ranhalten. Da ich meinen Akku aufladen musste hat meine Pause etwas länger gedauert als sie sollte. Und wenn ich nicht im Dunkeln ankommen will muss ich mich jetzt ranhalten.
Und ich kann es auch fast nicht glauben, aber man ist in Null Komma Nichts an der Stadtgrenze von Santiago. Wie ich jedoch mittlerweile feststellen musste hat das so gar nicht zu sagen. Denn um bis zur Kathedrale zu kommen muss ich noch knapp eine halbe Stunde quer durch die Stadt laufen. Ich halte immer wieder Ausschau nach den Türmen der Kathedrale, kann jedoch einfach nichts erkennen. Und so laufe ich und laufe ich immer den Sonnenuntergang entgegen. Durch einen kleinen Tunnel in dem Musikanten Ihre Lieder zum besten geben habe ich einen fantastischen Ausblick auch den Sonnenuntergang.


Als ich diesen Tunnel passiert habe befand ich mich auf einem großen lebendigen Platz und mir wurde bewusst wo ich mich hier gerade befinde. Nachdem mein Blick über meine Linke Schulter ging erkannte ich sie, in ihrer ganzen Pracht. Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Ich habe mein Ziel erreicht. Ich bin endlich angekommen. Am liebsten hätte ich mich vor Freude und Erschöpfung auf die Knie und auf den Boden fallen lassen. Minuten lang stand ich vor der Kathedrale auf dem großen Platz.
Auch wenn ich überaus erschöpft war und am liebsten mein Hostel für die Nacht aufgesucht hätte, so bin ich zuerst einmal in die Kathedrale. Deswegen bin ich gefälligst ja auch hergekommen. Dann will ich mir das Dingens auch mal von innen ansehen. Also stampfe ich in voller Montur in die Kathedrale. Und mal wieder in einen laufenden Gottesdienst. Aber hier ist das alles ein wenig anders. Ich erkenne ein paar Gleichgesinnte und man merkt sofort das man hier nicht der einzige Pilger ist. Ich will mir die Messe jedoch lieber in Ruhe ansehen und nicht mit einem schweren Rucksack auf den Schultern. Also suche ich mir jetzt mal mein Hostel um mich aus zu ruhen. Ich muss diesen Tag, diese ganzen letzten Wochen jetzt erst einmal sacken lassen. Die Erfahrungen und Eindrücke waren etwas besonderes und es ist ein fantastisches Gefühl an seinem Ziel zu sein. Auch wenn es einem erstmal gar nicht so vor kommt. Denn ich habe ich heut im Gründe genommen nichts anderes gemacht als in den Tagen zuvor. Nur das die Stadt die ich heute erreicht habe eben Santiago hieß. Irgendwie ein komisches Gefühl. Aber vielleicht muss ich auch erstmal eine Nacht darüber schlafen um es zu realisieren.

Das Hostel liegt glücklicherweise nur 2 Minuten von der Kathedrale entfernt. Dort erfahre ich auch das das berühmte Weihrauchschwenken immer Sonntags stattfindet, was dann also morgen wäre. Trifft sich also gut das ich heute schon hier bin. Geplant war ja eigentlich erst morgen, somit hätte ich das dann verpasst. Dann werde ich morgen mal die Pilgermesse besuchen und mir die Stadt anschauen und am Montag zum Kap Finesterre gehen.
Euer Eddy

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Tag 30 – Palas del Rei -> Ribadiso


Nach den 45 km von gestern fällt mir es sehr schwer heut aufzustehen. Bevor ich jedoch los laufen kann muss ich noch in die Stadt um einzukaufen. Ich brauche ein neues Ladegerät für mein iPhone und iPad. Mir ist gestern Abend nämlich noch mein USB-Ladestecker kaputt gegangen. Im Grunde genommen brauche ich nur einen neuen Stromstecker mit USB Ausgang. Das Problem wird jedoch sein den richtigen Ausgangsstrom zu finden. Da Palas del Rei ein relativ großes Städtchen ist muss ich auch nicht lange suchen um das passende Geschäft und den passenden Stecker zu finden. So geht es dann gleich ab zurück um meine Sachen zu packen und mich auf den Weg zu machen. Es ist nämlich schon 11 Uhr und sollten meine Füße mitmachen dann könnte ich es vielleicht doch noch bis in 2 Tagen nach Santiago schaffen. Aber das wird ganz schön hart. Denn ich spüre die 45 km immer noch sehr in meinen Beinen.
Und um nicht doch noch zu resignieren und eventuell noch eine Nacht in meinem Zimmer zu bleiben schaue ich das ich so schnell wie möglich aus der Stadt rauskomme. Nur noch schnell meinen morgendlichen Espresso und meine Zigarette und los geht’s. Das Frühstück spar ich mir mal wieder, ich werde dann einfach unterwegs was Essen.


Da ich ja etwas spät gestartet bin kann ich mich heut auf einen schönen Einsamen Weg freuen. Bis auf ein paar Pilger kann ich heute weit aus gemütlicher laufen als noch am Tag zuvor. Das Wetter ist immer noch ein wenig bedeckt und man merkt wie auch hier in Spanien mittlerweile der Herbst angekommen ist. Der Weg führt hier auf den letzten 100 km viel durch kleine Eichel und Kastanien Wälder. Und da es Herbst ist fallen die Eicheln und Kastanien am laufenden Band von den Bäumen und benetzen den Boden. Ab und an bekommt man auch eine auf den Kopf.
Diese Wälder hätte ich jedoch noch vor 2-3 Wochen viel besser gebrauchen können als es noch so heiß war und ich weit und breit kein Schattenplatz finden konnte. Aber solange es nicht regnet ist alles in Ordnung. Und was das Wetter angeht hatte ich bisher mehr als viel Glück bisher hat es nicht ein einziges mal geregnet, naja bis auf nachts ein paar Tropfen. Und für gewöhnlich soll es in Spanien im Oktober ab und zu schon auch mal regnen. Zwar ist mein Regen-Cape für meinen Rucksack nutzlos mitgenommenes Zubehör aber immer noch besser als Regen.


Dafür das ich gestern so viel gelaufen bin läuft es heute dann doch besser als gedacht. Aber ich merke das ich es heute nicht so weit wie gestern schaffen werde. Wie weit ich komme werde ich aber noch sehen. Was heute aber echt nervt ist das man ständig von einer Straßenseite auf die andere geschickt wird und oft nur für ein paar wenige Meter um auch wirklich an jedem Restaurant vorbei zu kommen. Nicht nur das es nervt es ist auch ein großes Sicherheitsrisiko, denn man läuft an einer viel befahrenen Hauptstraße entlang und oft muss man auf Anhöhen oder in Kurven die Straßenseite wechseln. Wie gefährlich der Weg ist zeigt mir eine vermissten Anzeige die an einem Baum befestigt war. Ich hoffe für ihn und seine Familie das er wieder aufgetaucht ist.


Nach etwa 18 km treffe ich, mal wieder, auf eine deutsche Pilgerin. Sie hat sich, wie so viele andere, mit dem Outdoor Pilgerführer für mich zu erkennen gegeben. Zuerst sind wir jedoch eine Weile nebeneinander hergelaufen da ich sie nicht einfach so anquatschen wollte. Sie hat dann jedoch letztlich das Eis gebrochen und ein Gespräch angefangen. Kam mir ehrlich gesagt auch ganz recht, war ja gestern schon den ganzen Tag alleine unterwegs und heute fast schon wieder. Wir verstehen uns auch sehr gut und so hab ich für heute eine angenehme Wanderbegleitung. Sie ist erst in León gestartet aber ist die Etappen mal mehr mal weniger gelaufen und nimmt ab und zu auch mal den Bus. Aber sie sieht das eher wie ein Urlaub und nicht als eine Pilgerreise. Und sie hat auch Probleme mit ihrem Fuß und ist für heute eigentlich schon viel zu weit gelaufen. Was glaube ich auch ein wenig meine Schuld ist, da ich sie ein wenig vorantreibe. Ich hab ja auch noch einiges vor da ich ja bis morgen in Santiago ein will.


Nach 25 km muss Julia, so heißt meine neue Bekanntschaft in Ribadiso, anhalten. In diesem kleinen Ort in dem es wie ich das sehe, nur 3 Herbergen und sonst nicht gibt, finden wir eine gute private Herberge. Und da es hier für mich auch ein günstiges Bett gibt beschliesse ich mit Julia heute hier zu bleiben und nicht in das 5 km entferne Arzua weiter zu laufen. Ich habe keine Lust heute Abend alleine zu bleiben und es ist mittlerweile auch schon wieder 18:30 Uhr. Und dann spar ich mich dann auch gleich noch die Zimmersuche. Und eine Waschmaschine gibt es hier auch, leider keinen Trockner, na hoffentlich trocknet meine Wäsche bis morgen früh.
Der einzige Nachteil hier ist das ich dafür morgen wieder 45 km laufen muss um es nach Santiago zu schaffen. Und das will ich jetzt auch schaffen. Ich bin jetzt einfach genug gelaufen und will endlich ankommen. Irgendwann ist dann auch gut. Und so geht es nach dem gemeinsamen Abendessen auch gleich ins Bett damit ich morgen früh genug starten kann und vielleicht sogar endlich einmal während meiner Pilgerreise einen Sonnenaufgang zu erleben.
Also dann bis morgen in Santiago.
Euer Eddy

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Tag 29 – Barbadela -> Palas del Rei

Da ich ja mal wieder in einer Herberge übernachtet habe ist heute nichts mit ausschlafen. Das ist aber auch gut so, es ist einfach besser morgens zu starten. So hab ich einfach mehr vom Tag und kann wenn ich will auch mal eine längere Strecke laufen. Einen großen Nachteil hat das ganze jedoch trotzdem, ich laufe mit circa 50 weiteren Pilgern. Anscheinend bin ich gerade in einen Schwall von Neuankömmlingen geraten die mir den Weg versperren und mir vor den Füßen rumlaufen. Gleich zu Beginn hat sich eine deutschsprachige Gruppe vor ihrem Start mit “lustigen” Wanderliedern in Stimmung gebracht. Mir hat das die Stimmung jedoch verdorben. Ich bin hier ja nicht auf einem lustigen Wanderstrip, auch wenn mir das ganze hier Spaß macht ist das körperlich und mental eine Herausforderung. Die machen dadurch eine Farce und ich schau das ich hier so schnell wie möglich weg komme. Bevor ich jedoch gehe treffe ich noch auf Andrea vom Vorabend, so kann ich mich nochmals von ihr verabschieden und ihr alles gute wünschen. Ich hoffe echt sie kann den Weg zu Ende gehen.


Viele von den Leuten die mir heute über den Weg laufen sind 100 km Pilger. Die sehen noch richtig frisch aus im Vergleich zu den Leuten die ich in den letzten Wochen hier begegnet bin. Mit den “100 km Pilgern” mein ich die Menschen die nur die letzten 100 km vor Santiago starten um dort dann dafür die Pilgerurkunde, Compostela, zu erhalten. Aber ich frag mich ernsthaft wer sich diesen Quatsch bitte ausgedacht hat?!
Ich bin ernsthaft am überlegen ob ich mir diese Urkunde überhaupt noch abholen soll. Denn damit stelle ich mich mit den anderen auf eine Stufe und für viele ist das einfach nur ein spaßiger Wochenendtrip wo hingegen das für mich knallharte Arbeit ist.
Aber ich darf mich von diesen Gedanken und den vielen Menschen nicht zu sehr beeinflussen und ablenken lassen was mir jedoch sehr schwer fällt. Und so gehe ich schnellen Schrittes voran um die Meute hinter mir zu lassen. Mittlerweile kann ich auch, wenn ich denn will, richtig schnell laufen und das auch über eine längere Distanz. Werde so langsam von der Couchpotato zur Sportskanone.


So dauert es auch nich lange bis ich an der berühmten 100 km Marke vorbei komme. Bei meinem Sprint von Ort zu Ort überlege und rechne ich ständig hin und her wie weit ich heute denn laufen müsste um es in 3 Tagen bis nach Santiago zu schaffen. Mein Startpunkt lag heute bei 108 km vor Santiago. 8 km hab ich heut schon geschafft. Geplant war ja eigentlich das ich jetzt noch 4 Tage laufen muss bis zu meinem Ziel. Aber ganz ehrlich, so langsam bin ich auch genug gelaufen und ich will endlich auch mal mein Ziel erreichen. Aber egal wie ich auch rechne, es kommt immer zu viel dabei raus. Denn 108 durch 3 ergibt eben 36 km am Tag. Und ich bin mir nicht sicher ob ich es schaffe drei Tage hintereinander so viel zu laufen. Ich kann mich noch gut an den Anfang erinnern, da waren 25 km das maximum, zwar hab ich ab und zu mal einen drauf gelegt, bin dann dafür aber die darauf folgenden Tage weniger gelaufen. Ich weiß aber nicht was passiert wenn ich 3 Tage Vollgas gebe. Jetzt schau ich aber erstmal wie weit ich heute komme.


Dann kann ich immer noch entscheiden ob ich’s schaffe. Aber jetzt muss ich erstmal aus dieser Meute von Pilgern raus. Zum Glück können die noch nicht so weit laufen und ich kann die meisten nach knapp 20 km in Portomarin abhängen. Portomarin ist ein schönes kleines Städtchen und es ist auch verlockend einfach hier zu bleiben aber ich will doch wenigstens 30 km laufen. Und so gönne ich mir hier nur ein kleines Eis und mache mich weiter auf den Weg immer in weiter Richtung Santiago. Das Wetter ist heute im allgemeinen ein wenig bedeckt, eigentlich ja gut zum laufen, aber irgendwie fehlt mir das schöne heiße Spanienwetter. Besonders wenn ich dran denke bald wieder in der kalten Heimat zu sein.
Der nächste Ort an dem ich für heute halten kann ist Gonzar. Aber dieser Ort klingt wie er aussieht. Ein verfallenes Fleckchen direkt an der Hauptstraße ist der Mittelpunkt von diesem Dorf. Jedoch bin ich schon ziemlich im Eimer für diesen Tag und bin mittlerweile auch schon etwas über 30 km gelaufen, aber hier will ich einfach nicht bleiben. Und so krame ich meine letzte Energie zusammen und laufe weiter. Das Problem an der Sache ist, das ich bis zum nächsten Ort noch knapp 15 km zu laufen habe. Palas del Rei, heißt mein Ziel. Übersetzt bedeutet es soviel wie Königspalast. Auch wenn der Überlieferung nach sich hier nie ein König niedergelassen hat. Bis heute ;-).


Der Weg dorthin wird, je weiter ich laufe, immer anstrengender. Ich habe zwar immer wieder Phasen in denen ich einen Energieschub habe, die wechseln sich jedoch stetig mit sehr starken Tiefs ab in denen ich schon fast resignieren muss. Aber jetzt kann ich auch nicht mehr umkehren. Ich hab mir das nunmal vorgenommen und so ziehe ich das jetzt auch durch. Und wenn ich es nach Palas del Rei geschafft habe sind es bis nach Santiago nur noch etwa 63 km bis nach Santiago. Und um nicht doch noch aufzugeben reservierer ich mir unterwegs über mein iPhone gleich noch ein Zimmer sodass ich gezwungener Maßen heute noch dort hin gelangen muss.


Und ich kann es selbst kaum glauben, aber gerade als die Sonne gute Nacht sagt erreiche ich meinen Königspalast. Völlig fertig und ohne Kräfte suche ich mir meine Pension und bin zwar unglaublich erschöpft aber auch sehr zufrieden mit meiner heutigen Leistung. Aber körperlich hat mir das sehr zugesetzt. Meine Füße sind nur noch zwei Klumpen mit weisen aufgeweichten Flecken. Bilder erspar ich euch hier erstmal denn das kann ich euch nicht zumuten. Mal schaun ob und wie weit ich morgen komme. Vielleicht schaff ich es ja doch noch in 2 Tagen bis nach Santiago de Compostela.
Euer Eddy.

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Tag 28 – Triacastela -> Barbadela


Ein weiterer Tag beginnt auf dem Camino. Leider habe ich es wieder nicht geschafft mit dem Sonnenaufgang zu laufen. Lang bleibt mir nicht mehr Zeit und das habe ich mir noch für den Weg vorgenommen. Leider beginnt der Weg heute wieder sehr steil und so langsam nerven mich diese Berge auch. Habe so langsam keine Lust mehr immer Bergauf zu laufen. Nicht nur das es anstrengend ist, Ich komme auch so langsam voran. Aber gut, da muss ich eben durch und je weiter ich komme so ebener wird es. Mir schwirrt heute der Gedanke im Kopf herum wie kurz vor meinem Ziel ich doch eigentlich stehe. Ich bin mittlerweile schon so weit gelaufen das an umkehren schon gar nicht mehr zu denken ist. Und ich muss ehrlicher Weise zu geben ich habe schon ab und zu mit dem Gedanken gespielt. Zum Glück habe ich ihn immer wieder verworfen denn ich bin ja nicht hergekommen um zu scheitern.


Aber ich denke auch darüber nach was ist wenn ich, gerade bei diesen steilen und steinigen abstiegen, umknicke und dann aus einer dummen Situation nicht mehr weiterlaufen kann. Das ist ein Moment von einer Millisekunde und mein Weg ist beendet. Das mag jetzt ein dummer Zufall sein, aber gerade als ich diesen Gedanken zu Ende gedacht habe sehe ich als ich bei meinem Abstieg um eine Kurve komme etwa 100 Meter vor mir einen Mann auf dem Boden sitzen. Bei ihm, stehen zwei Schweizer, Andreas und Katharina, die schon eine Weile vor mir liefen. Als ich näher komme bestätigt sich meine Befürchtung. Der Mann der auf dem Boden sitzt ist bei der Abfahrt schwer mit seinem Fahrrad gestürzt. Ich und die beiden Schweizer fragen wie es ihm geht und er, Spanier, sagt das er sich Her gerade überschlagen hat und nicht aufstehen kann da sein rechter Oberschenkel sehr wehtut. Wir geben ihm etwas zu trinken und die Schweizer bedecken ihn mit einer Unfalldecke. Laufen kann dieser Mann nun wirklich nicht mehr und er sagt und das er seine Kollegen angerufen hat die schon auf dem Weg hier her sind. Und jetzt fällt mir auch ein das eer mit zwei anderen eine halbe Stunde an mir vorbeigezogen ist. Da wir ihn nicht alleine lassen wollen warten wir bis seine Freunde kommen. Zwar können wir ihm nicht wirklich helfen, aber alleine lassen können wir ihn auch nicht da sein Sturz sehr schlimm gewesen ist. Denn der Helm den Katharina im abgenommen hat ist total zerstört und durchgebrochen. Der hat ihm wohl noch das Leben gerettet. Nach etwa 5 Minuten kommen auch schon seine beiden Freunde hergefahren. Einer ruft gleich den Notdienst und ich zeige ihm auf meinem iPhone wo wir uns gerade befinden.
Da nun seine Freunde da sind und sich um ihn kümmern ziehen wir zu dritt weiter. Aber den Schock musste man erstmal verdauen.


Da Schweizer zum Glück auf deutsch reden fange ich mit Andreas eine interessante Unterhaltung an. Die beiden sind von Zürich aus gestartet und sind nun mittlerweile seid fast 3 Monaten unterwegs. Da komm ich mir mit meinen gerade einmal 800 km ziemlich mager vor. Das ist echt eine beeindruckende Leistung. Ich könnte das glaube ich nicht. Aber ich habe ja noch nicht einmal so wirklich daran geglaubt das ich den Camino schaffe. Aber da sind wir jetzt an einem Punkt den Andreas sehr gut umschrieben hat. Er sagte nämlich das der Kopf schon lange in Santiago angekommen ist nur muss der Körper jetzt noch hinter her kommen. Und das trifft den Nagel auf den Kopf. Denn dieser ist wirklich schon angekommen. Ich habe mich sogar schon dabei erwischt wie ich gesagt habe das ich froh bin das ich den Camino geschafft habe.


Aber das hab ich ja noch gar nicht. Es sind immer noch knapp über 100 km zu laufen. Und wie ich gerade mit eigenen Augen erfahren musste kann der Camino für einen sehr schnell frühzeitig beendet werden. Und so muss ich mich jetzt für die nächsten Tage in Geduld üben.
Aber ich merke wie ich schon wieder lauffaul werde. Bin die letzten Tage ja nicht so wirklich voran gekommen. Daher entscheide ich mich heute nicht wie geplant nur bis Sarria zu laufen sondern einen Ort weiter nach BBBB. Und insgesamt sind das dann auch nur 23 km. Aber wie gesagt, ich bin lauffaul geworden. Und außerdem ist es wieder richtig schön heiß ist Spanien was es einem nicht einfach macht.


Sarria gefällt mir aber auch gar nicht, denn wie ich von Robert erfahren habe starten hier viele die die letzten 100 km laufen um die Compostela (Pilgerurkunde) zu erhalten. Und das scheint auch zuzutreffen. Alles ist nur so voll mit Pilgern. Und auf was treffe ich hier, auf einen deutschen Penner der sich bei den Pilgern durchschnorrt. Ich gebe ihm nur widerwillig etwas Kleingeld da ich neben ihm ein Tetrapak Wein sehe und mir sein Gesicht sagt das dass nicht das erste Tetrapak ist das er heute geleert hat. Also nur raus aus Sarria, hier gefällt es mir nicht.
Nachdem ich ein paar Kilometer weiter gelaufen bin fällt mir ein das ich in Sarria noch zur Bank gehen wollte. Denn in der Tasche habe ich nichts mehr und mein letztes Kleingeld hab ich dem Penner spendiert. Und laut meinem Info Zettel gibt es auch die nächsten 20 km keinen Geldautomaten mehr. Klasse. Zurücklaufen will ich aber nicht. Ich lauf ja sowieso schon genug hier und rückwärts geht mal gar nicht. Also Laufe ich einfach mal auf gut Glück weiter mit der Hoffnung etwas zu finden wo ich mit Kreditkarte zahlen kann. Der nächste Ort ist auch gleichzeitig mein Zielort und da dieser Ort mitten im Nirgendwo steht gibt es hier rein gar nichts außer einer Herberge. Weiter laufen will ich aber nicht. Für heute hab ich genug und der nächste Ort kommt erst wieder in 2 Stunden.


Da erklärt sich der Leiter der Herberge bereit mit mir runter in die Stadt zu fahren sodass ich endlich wieder zu Geld komme. Ist ja auch in seinem Interesse. Nachdem ich dann geduscht habe fahren wir beide zurück nach Sarria und ich hol mir etwas Geld um den Mann zu bezahlen. Und außerdem schlafe ich auch mal wieder in einer Herberge. Hatte ich ja auch mal wieder vor bevor es zu Ende ist. Also, war doch wieder alles kein Problem. Immer nach der Devise, wird schon gut gehen.
Hab in der Herberge dann noch die Brasilianerin Andrea kennengelernt. Sie steckt gerade in diesem kleinen verlassenen Dorf fest da sie starke Schmerzen in den Füßen hat die es ihr unmöglich machen weiter zu laufen. Ich weiss nicht woran es liegt, sie selber kann es auch nicht erklären, aber sie hat mir angesehen das ich falsch atme und ein stechen in der Brust habe. Das Problem plagt mich schon eine Weile und sie hat mir gesagt das ich nicht immer so verbissen sein und alles unter Kontrolle haben soll. Sie hat mir gezeigt wie ich richtig atmen soll um meine Kurzatmigkeit zu bekämpfen. Auch wenn ich dem spirituellen immer ein wenig skeptisch entgegen sehe habe ich mich in diese Welt entführen lassen. Sie schien mir jetzt auch nicht so ganz von der Welt oder wie eine die mit Bäumen redet. Im richtigen Leben ist sie Staatsanwältin was ja schon ein ziemlich Bodenständiger Beruf ist. Hatte am Abend dann noch eine nette Unterhaltung mit ihr, die Themen waren jedoch sehr Privat und gehören nicht hier rein. Und dabei war übrigens mein iPhone wieder eine gute Unterstützung denn sie konnte nur schlecht englisch und ich kein portugiesisch oder spanisch. Nachdem
Dann bis morgen.
Euer Eddy.

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Akku kaputt!

Da mir auf den letzten Metern mein Ladegerät den Geist aufgegeben hat und ich nur durch Mitpilger und meinen Zusatzakku zumindest mein Handy am leben erhalten kann verzögern sich meine Berichte jetzt ein wenig. Ich kümmer mich aber drum. Euer Eddy

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Tag 27 – Las Herrerías -> Triacastela

Da mein Zimmerpartner wie die anderen eher früher aufsteht hatte ich heute mal die Möglichkeit eher als sonst zu starten. So konnte ich mich bei ihm auch noch verabschieden. Ich habe ja den Verdacht das er extra für mich das Zimmer mit mir geteilt hat damit es günstiger für mich ist. Sollte er das lesen möchte ich mich hier nochmal recht herzlich für die nette Gesellschaft bedanken. In Las Herrerías zu halten war auch die definitiv richtige Entscheidung. Denn ab hier geht es steil Bergauf. Sehr steil und auch sehr lange. Heute überquere ich den dritten und zum Glück letzten großen Berg auf dem Camino. Dabei überquere ich gleichzeitig auch gleich die Grenze nach Galicien und komme auch an dem kleinen Dorf La Faba vorbei in dem eine schwäbische Herberge Unterkunft bietet.

Anscheinend soll man hier, wenn man ein schwäbisches Gedicht zum besten gibt, umsonst übernachten können. Ich hatte nicht mal die Möglichkeit mit denen ein wenig zu “schwätzen” denn bei der Herberge war niemand anzutreffen. Von wegen “schaffa schaffa”. Es wundert mich aber nicht das die Schwaben sich gerade hier niedergelassen haben. Denn die Wälder und Berge die ich hier gerade durchlaufe kommen mir vor wie die schwäbische Alb. Da fühlt man sich ja schon fast wie zu Hause.
Jetzt muss ich aber erstmal nach O Cebreiro kommen. Das ist der oberste Punkt auf diesem Berg und mir wird schnell klar von wo dieser Ort sein “O” bekommen hat. Das muss von der Anstrengung kommen die der Aufstieg verursacht. O Cebreiro wo bleibst du nur?!

Naja, irgendwann hab ich es dann doch noch geschafft und man sieht in diesem Dorf gleich die keltischen Ursprünge aus früheren Zeiten. Denn hier findet man noch Hütten wie sie damals von den Kelten bewohnt wurden.
In diesem Dorf wimmelt es nur so von Franzosen und so hocke ich mich mit meinem Espresso ein wenig abseits. Nichts gegen Franzosen aber die reden mir zu viel und dann versteh ich noch nicht einmal was. Hier lerne ich die Deutsche Andrea kennen. Sie ist ein Neuling auf dem Camino da sie erst in León gestartet ist, tut sich aber sehr schwer bei den steilen auf und ab in den Bergen. Da ich mittlerweile Unterhaltungen offener entgegenstehe und ich, alter Laufhase sie beim laufen gerne unterstütze, gehen wir ein Stück zusammen.

Sie wollte den Camino schon lange machen und würde gerne auch mehr laufen, jedoch kann sie aus Zeitgründen nicht weiter laufen. Sie hat Biologie studiert und ist seit 2 Wochen frisch verheiratet. Da ihr Mann aber eher der Fahrradfahrer ist, ist sie hier alleine unterwegs. Durch sie machen wir zwischendurch öfters Pausen als gewohnt und ich werde später noch merken wie gut mir das tut öfters mal zu Pausieren. Denn ich Laufe immer viel zu weit ohne Pausen zu machen. Und ich ziehe auch nie meine Schuhe aus und nur sehr selten schnalle ich mir überhaupt den Rucksack ab. Ich bin dafür aber auch einfach zu faul. Und wenn der Rucksack mal gut sitzt will ich ihn nicht abschnallen. Circa 10 km später trennen sich wieder unsere Wege und ich ziehe alleine weiter.

Die Aussicht die ich heute wieder zu sehen bekomme ist einfach grandios.
Ich laufe durch viele kleine Bauerndörfer die an frühere Zeiten erinnern da sie noch so wie vor 100 Jahren erscheinen. Es riecht zwar ordentlich nach Kuh, aber hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Zwar ist der Abstieg anstrengend und geht auch irgendwann in die Beine und die Hüfte aber ich komme gut voran und habe immer was schönes zu sehen.
Heute halte ich wieder nach nur etwas mehr als 20 km. Da Problem ist aber auch das man hier die vielen Hügel hat und nach einem langen Tag schauen muss wo man halt macht um nicht zum Ende einen großen Berg vor sich zu haben. Aber wenn ich richtig gerechnet habe müsste ich bei einer durchschnittlichen Entfernung von 25 km am Tag Santiago d. C. in 5 Tagen erreichen. Dann bis bald. Euer Eddy

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Tag 26 – Villafranca del Bierzo -> Las Herrerías


Nachdem ich ja gestern den Tag über so müde war habe ich heute mal so richtig schön ausgeschlafen. War aber am Vorabend noch eine Weile mit Blog schreiben beschäftigt sodass meine Nacht auch erst um 2:00 begann. Da jetzt ein weiterer großer Berg vor mit steht muss ich genau darauf achten wie weit und wohin ich laufe. Denn hier in den Bergen gibt es nicht immer die Übernachtungsmöglichkeiten und außerdem liegen die Orte meistens weit von einander entfernt. Aber ich will zumindest 20 km am Tag laufen und da wird sich dann schon etwas finden. Da ich mein Buch verschenkt habe fehlen mir nun doch leider ein paar wichtige Informationen die in den Zetteln nicht zu finden sind. Es gibt zum Beispiel für heute wieder eine Alternativroute die zwar anstrengender ist aber landschaftlich mehr zu bieten hat. Das werde ich aber leider nie erfahren. Denn die Route bleibt mir leider verborgen. Aber das ist auch ok. Ich will es die letzten paar Tage sowieso ein bisschen ruhiger angehen um mich nicht auf den letzten Kilometern noch den Körper zu versauen und dann womöglich nicht weiter laufen zu können. Und meine Aussicht ist auch gar nicht so schlecht. Ich laufe an einem schönen kleinen Flüsschen vorbei der leise vor sich hin plätschert. Dabei vergisst man schon fasst die Hauptstraße auf der rechten Seite. Man darf halt eben nur nach links schauen.


Da ich mir vorgenommen habe nach spätestens 10 km eine Pause einzulegen komme ich in einem kleinen Ort, der nur aus ein paar wenigen Häusern besteht, zum halten. Da die Leiterin der Albergue/Bar es nicht für nötig hält an die Theke zu kommen, lasse ich mir halt eben eine Dose Cola aus dem Automaten und komme hier mit einem Mitpilger ins Gespräch. Robert, aus Berlin, ist den Weg aus Richtung Süden gelaufen und ist in Astorga auf den Camino Francés getroffen.
Von ihm erfahre ich das er den gleichen Weg den ich gerade laufe schon vor ein paar Jahren gegangen ist. Und da er sich mit Spanien sehr verbunden fühlt und hier gerne wandert wollte er gerne wieder laufen, nur eben nicht den selben Weg. Er ist also ein richtiger Pilgerexperte. Da er mir sehr unkompliziert und sympathisch vorkommt frage ich ihn ob er was dagegen hat ob wir ein wenig gemeinsam laufen. Dem stimmt er bereitwillig zu und ab sofort gehen wir zusammen weiter.


Unser Schritttempo ist recht gleich, jeder passt sich eben dem anderen ein bisschen an, und es entwickelt sich eine sehr nette Unterhaltung auf dem Weg. Er ist heute schon 20 km vor mir gestartet und ist noch am überlegen wo er heute halt machen will. Aber er kommt mir sehr fit vor und so kommt es das er meine heutige Tagesetappe auch noch mit dazu nimmt. Da ich mich mit ihm sehr gut unterhalten kann und es auch mal wieder schön ist mit jemanden gemeinsam zu laufen macht es heute so richtig spaß. Ich werde langsam auch lockerer und auch offener den anderen Pilgern gegenüber. Und das ist auch gut so. Die Ruhe hat ihren Vorteil aber mit jemanden ein wenig gemeinsam zu laufen tut auch mal gut.
Da wir uns echt gut verstehen beschließen wir heute ein Doppelzimmer zu teilen was mir sehr entgegen kommt da ich so viel günstiger übernachten kann. Und da er mir auch sehr vertrauenswürdig ist habe ich auch nicht wirklich ein Problem damit das ich ihn ja erst seit kurzem kenne. Und ich hab es auf keinen Fall bereut. Denn er ist eine sehr nette Begleitung und wie ich mitbekomme spricht er auch noch perfektes Spanisch und so wird die Suche nach einem Schlafplatz und das spätere gemeinsame Essen eine sehr entspannte Angelegenheit da er mir hier viel weiter hilft.


Bei der Gelegenheit hat er mir auch noch ein paar spanische Begriffe beigebracht.
Wir haben uns dann gemeinsam in eine sehr gemütliche und rustikale Pension eines alten Ehepaars in Las Herrerías einquartiert. Der alte dicke Spanier hinter der Theke ist ein wunderbares Original der perfekt in dieses in den Bergen eingepflanzte Bauerndorf passt. Als ich mir meinen Espresso nach dem Lauf bestelle reicht er mir gleich noch eine Flasche mit Ausgießer dazu und sagt: “Das ist Aroma!”. Was es genau ist versteh ich nicht und um nicht unhöflich zu sein schütte ich mir ein paar kleine Tropfen in den Kaffee. Da nimmt er mir die Flasche aus der Hand und zeigt mir wie das richtig geht. Und nach meinem ersten Schluck ist klar, dieses Aroma ist ein Schnaps. Schmeckt interessant und auch gar nicht so stark wie gedacht. Und so trinke ich halt mal einen Kaffee mit Schuss.


Zum späteren Abendessen gibt es dann deftiges aus Muttis Spanischer Küche. Das ganze rundet den Abend dann noch ab und macht einen wirklich gelungenen Tag daraus. Im Fernsehen schauen wir uns dann noch den Wetterbericht an. Aber das hätte ich vielleicht doch lieber nicht sehen wollen. Denn anscheinend kommt in den nächsten 3 Tagen eine Kaltfront auf uns zu und es wird einen Temperatursturz von bis zu 10 Grad geben. Schade, ich habe gehofft bis zum Schluss von diesem Traumhaften Wetter verwöhnt zu werden. So ist dann wenigstens der Schock nicht so groß wenn ich wieder nach Deutschland komme. Also bis bald.
Euer Eddy.

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Tag 25 – Ponferrada -> Villafranca del Bierzo

Oi, bin ich heute müde. 33 km machen ganz schön müde. Und man muss ja auch bedenken das ich nachdem ich in der Stadt angekommen bin noch lange nicht still stehe. Meistens spazier ich dann noch ein wenig durch die Stadt und da läuft man dann ja doch noch auch ein Stückchen. Heute sollen es dann nur 20 km werden. So zum warm bleiben. Mein heutiges Ziel ist Villafranca del Bierzo. Hier klingen die Orte wie Musik in den Ohren.
Um mich in Ponferrada nicht wie in León unnötig zu verlaufen greife ich gleich zu meinem iPhone und lasse mich bequem aus der Stadt manövrieren. Ich laufe zwar anfangs nicht auf dem offiziellen Jakobsweg aber das ist mir sowas von egal. Irgendwann werd ich schon darauf treten und dann kann ich auch mein Handy wieder wegpacken. Ich folge also einer langen Straße bis mich der Jakobsweg dann auf einen Schotterweg schickt über den ich direkt in ein großes Weinanbaugebiet komme. Und anscheinend ist in Spanien heute wieder der Hochsommer ausgebrochen. Denn die Sonne knallt nur so auf mich herunter.

Nachdem ich mich dann auf einem schattigen Bänkchen ausruhe werde ich hier so von der Müdigkeit gepackt das ich mir erstmal ein kleines Schläfchen gönne. Das wird aber kurzfristig von Liz unterbrochen, die ich am Vorabend kennengelernt habe und mich gleich abfotografiert. Sie war so nett auch für euch ein kleines Foto zu machen. Zum lange Pause machen habe ich aber auch gar keine Zeit sonst komme ich wieder viel zu spät an meinem Tagesziel an. Ich habe es zwar heute nicht all zu weit, aber ich will ja trotzdem voran kommen. Also geht es weiter durch die spanische Hitze.

Heute geht mein Weg auf und ab über von Weinfeldern überzogenen Hügeln. Ich laufe Kreuz und Quer den Weinfeldern entlang. Es ist ein schöner Anblick und auch wenn ich heute nicht ganz fit bin genieße ich die Landschaft und Laufe bequem meinem Ziel entgegen. Hier kann ich Kräfte sammeln denn gleich morgen geht es wieder einen steilen Berg hinauf auf ca. 1300 Meter. Das ist dann aber auch der letzte auf dem Camino.

Aber leider lässt Villafranca ganz schön auf sich warten und ich werde den Verdacht nicht los das die Entfernungsangaben mal wieder nicht ganz genau gestimmt haben. Am Ende des Tages bin ich also 5 km mehr gelaufen als geplant, aber das ist noch vertretbar. Ich muss trotzdem darauf achten meinem Körper nicht zu viel zuzumuten. Denn nachdem man ja schon soviel gewandert ist glaubt man doch zunehmend das man ohne weiteres jeden Tag 30 km und mehr hinter sich bringen kann. Aber ich darf nicht vergessen das ich im Grunde genommen immer noch ein Neuling auf diesem Gebiet bin und sowas dann auch mal nach hinten losgehen kann. Gerade auf den letzten 200 km ist es halt auch eben so das man dem Ziel quasi so nah ist, aber man eben Geduld haben muss und man sich nicht übernimmt. Mal schauen wie weit es morgen geht. Mein Ziel ist es wenigstens 20 km am Tag zu laufen. Dann bin ich in aller spätestens 10 Tagen in Santiago und liege damit dann genau im vorgegeben Zeitraum.
Wir werden sehn. Bis bald.
Euer Eddy.

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Tag 24 – Rabanal del Camino -> Ponferrada

Endlich ist es soweit. Ich erklimme den höchsten Punkt auf dem Camino und komme am Cruz de Ferro vorbei. Heute geht es für mich auf 1500 Meter Höhe. Mein heutiges Ziel ist Ponferrada und das liegt ganze 33 km entfernt. Ich entscheide mich heute den Weg komplett ohne Musik zu laufen. Denn was ich heute zu sehen bekommen werde reicht an äußerlichen Reizen vollkommen aus. Die Landschaft und die Aussicht ist einfach atemberaubend von hier oben. Diese Ruhe und die klare Luft lassen mich endlich seit langem mal wieder so richtig entspannen und zur Ruhe kommen. Endlich kann ich einmal meinen Gedanken freien Lauf lassen.

Das Cruz de Ferro hab ich schon noch etwa 2 Stunden wandern erreicht und diese Atmosphäre die hier oben herrscht ist einfach nur beeindruckend. Eine Frau die auf einem, ich sag mal umgedrehten Wok spielt, untermalt die Stimmung zusätzlich. Das Cruz de Ferro ist für die Pilger eine Art Tempel würde ich sagen. Es ist Tradition das die Pilger hier einen Stein symbolisch für ihre Ängste, Sorgen und Probleme ablegen. Und ich will plötzlich auch ein Teil von diesem ganzen sein. Und so lege auch ich meinen ganz persönlichen Stein dort oben ab. Dieser Ort hat mich zur Ruhe kommen lassen und ich hatte die Möglichkeit meine eigene Pilgerreise Revue passieren zu lassen. Ich habe mir über die Gründe Gedanken gemacht die mich dazu geführt haben dies alles auf mich zu nehmen. Eine Pilgerreise zu machen und für eine kurze Zeit alles hinter mich zu lassen.

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Ich frage mich für was oder wen tue ich das denn eigentlich. Bin ich denn überhaupt ein Pilger. Denn benehmen tu ich mich ja eigentlich jetzt nicht so. Aber wie soll sich denn bitte ein Pilger benehmen. Gibt es dafür auch schon einen Knigge? Ich habe mir schon oft Gedanken gemacht ob nicht auch der plötzliche Verlust meines Freundes Matze der Grund für meine Reise ist. Auch wenn ich das so nie behaupten wollte. Wenn dann nur das es auch eine Rolle gespielt hat. Aber wie groß diese Rolle war ist mir erst jetzt bewusst geworden. Ich würde nicht sagen das er der Grund ist das ich hier bin.

Nur ist es so das dieser Verlust die schlimmste Erfahrung war die ich bisher in meinem Leben erleben musste, aber habe ich daraus etwas ganz besonderes lernen können was er mir mit auf meinen Weg gegeben hat. Denn das ich meine Möglichkeiten nutzen kann. Jeden Tag. Ich hatte den Schlüssel somit die ganze Zeit in der Hand nur wusste ich nichts damit anzufangen. Und mir war es auch bis heute nicht so sehr bewusst, aber er begleitet mich auf diesem Weg Tag für Tag. Nicht nur in Gedanken, denn ich habe, wie sonst auch, ein Bild von ihm in meinem Geldbeutel, und jeden Tag wenn ich meinen Ausweis rausholen muss für meinen Schlafplatz dann lächelt er dahinter hervor. Und so trage ich ihn mit auf diesem Weg und er begleitet mich. Ich war zwar nie sehr spirituell veranlagt, besser gesagt habe ich es vermieden. Aber ich war an diesem Tag nicht nur geografisch dem Himmel so nah wie sonst nie bisher. Und ich habe dort oben meinen Frieden gefunden. Jetzt muss ich nur noch aus dieser Erfahrung lernen und jeden Tag versuchen das beste daraus zu machen.

Diese Gedanken haben mich noch eine ganze Weile lang begleitet. Bis hin zu einer alten Pilgerhütte am Wegesrand. Hier lief zu meiner Ankunft dann auch noch das Lied “Ave Maria”, welches für mich eine spezielle Bedeutung hat. Hier endete meine Traumreise. Und ich bin wieder auf den Boden zurückgekehrt. Es war ein schöner kleiner Ausflug in meine tiefste Gedankenwelt. Jedoch kann ich unmöglich alles genau schildern, vor allem da manche Dinge nur mich persönlich etwas angehen.
Hier an diesem Fleck mitten in den Bergen hab ich dann mein Mittagessen genossen. Naja zumindest mein halbes, den ein kleiner Hund und ein paar Kätzchen hatten auch Hunger und da sie schon auf mir rumgeklettert sind und mich nicht essen lassen haben hab ich denen auch was abgegeben.

Nach meinem Essen und einer weiteren kleinen Steigung ging es dann steil bergab. Und diese Strecke muss man mit ganz offenen Augen laufen. Hier ist nichts mit Denken, hier ist Konzentration gefragt. Denn der Weg ist sehr schroff und steinig und man muss zu jeder Zeit aufpassen nichts abzurutschen. Ich hatte meine Freude daran. Das war mal wieder aufregend und interessant, nicht so öde wie immer nur gerade aus laufen. Und so ging es Schnurstracks der Berg hinab. Und dank meinem Stock auch unversehrt.

Etwa 8 km vor Ponferrada hab ich dann noch eine kleine Pause eingelegt in dem wunderschönen Dörfchen Molinaseca. Ich habe auch kurz mit dem Gedanken gespielt hier zu bleiben und nicht weiter zu laufen, ich bin ja bis hier her schon 25 km gewandert, aber ich habe mir nunmal Ponferrada vorgenommen also laufe ich auch nach Ponferrada.
Hätte ich nur mal auf mich gehört. Aber ich bin manchmal so stur das ich nicht mal auf mich selber hören möchte. Denn die letzten 8 km hatten’s nochmal in sich. Es ist ein gewaltiger unterschied zwischen 25 und 33 km. Denn sobald der Körper genug hat schaltet er auf Sparflamme und man läuft dann nur noch in Zeitlupe. So kommt es einem zumindest vor. Und dann muss ich auch noch um nach Ponferrada rein zu kommen, einmal komplett um die Stadt herum laufen um dann direkt in die Altstadt zu kommen. Da sind halt die Sehenswürdigkeiten und die Herbergen.

Ich seh ja auch ein das die von Hochhäusern durchzogene Neustadt nicht schön ist, aber es ist unglaublich anstrengend nach so einem langen Tag die ganze Zeit die Stadt vor sich zu sehen und außen herum laufen zu müssen. Hab’s trotzdem geschafft. Und von hier sind es dann nur noch 200 km bis zum Ziel. Santiago ich komme. Bis Bald.

Euer Eddy.

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